Der Abendstern 

Es war wie einst im Marchenland 
Und war wie nie geschehen, 
Aus hohem , kaiserlichem Stand 
Ein Madchem, schon zu sehen. 
                
Der Eltern einziges kind, und war 
Hold unter ihresgleichen, 
Maria in der Heiligen Schar, 
Der Mond in Sternbereichen. 
  
Aus der Gemacher Dammerung 
Tritt sie ans Fenster leise 
Uralt beginnt und ewig jung, 
Der Abendstern die Reise 
            
Sie sah ihn ferme auf dem Meer 
Aufgehn und drubergleiten 
Und uber weite Wogen her 
Die schwarzen Schiffe leiten  

Sie seiht ihn heut, und jede nacht 
Wird ihrem Wunsch vermehren; 
Auhc seine Wunsche sind entfacht, 
Das Madchem zu begehren. 
                  
Wie sie ihre hande schmiegt 
Vertraumt die zarten Wangen, 
Fuhlt sie, wie ihre Seele weigt 
Die Sehnsucht, das Verlangen. 
           
Und wie lebending er ergluht 
Im abendlicchen schweigen, 
Wenn sie am schwarzen Scholss erbluht,  
Sich ihm, nur ihm zu zeigen. 
       
Und Schritt fur Schritt verstohlen schwebt 
Er hinter ihr ins Zimmer, 
Aus seinen kalten Funken webt  
Er gluhnden Sternenschimmer. 
        
Und legt sie sich zur gutem Nacht 
In ihrem Bette nieder, 
Beruhrt er ihre Hande sacht, 
Schliesst ihre sussen Lider; 

Und aus dem Speigel kommt sein Licht, 
Auf ihrem Leib zu funkeln, 
Dem abgewandten AAngesicht, 
Den Augen,gross im Dunkeln      
                 
Ihr Lacheln Schwet am sanften Saum 
Des Schlafs,von Licht umflossen,  
Er folgt ihr tief in ihren Traum 
Und halt ihr Herz umflossn. 
                 
Sie spricht im Schlaf,was sie gedacht 
Schwer seufzend und beklommen: 
"O susser Herrscher meiner Nacht 
Willst du nicht zu mir kommen? 
                  
Steig neider,du im Abendhauch, 
Mein Abendstern,steig neider, 
Mach hell mein Haus,mein Denken auch, 
Mein Leben immer wieder!" 

Und zitternd blickt er zu ihr her, 
Entflammt im Sternenreigen, 
Und sturzt sich blitzend in das Meer, 
Versinkt in schwarzem Schweigen; 
           
Das Wasser,wo er sich verlor, 
Dreht sich im Kreis zur Stunde,  
Ein schoner Jungling steigt empor 
Aus teifem Meeresgrunde. 
     
So tritt er auf des Fensters Rand, 
Wo sie der Stern gefunden, 
Halt einen Stab in seiner Hand 
Von grunen Schilf umwunden. 
  
Er mochte eines Fursten Bild, 
Blondlockig,ihr erscheinen, 
Die nackten Schultern eingehullt  
In violettes leinen. 

Und wachsern war sein Angesicht, 
Durchsichtig noch im Dunkeln, 
Ein Toter,schon und seltam licht, 
Im dem die Augen funkeln.  

"Mit Muh entrann ich meinem Ort, 
At deinen Ruf verloren,  
Mein Vater ist der Himmel dort,  
Das meer hat mich geboren. 

Dir nah sein,begluckt und gut 
An deiner Kammerschwelle 
Steig ich herauf aus meiner Flut  
Herab aus meiner Helle 
                 
Mein kleionod,komn und hor mir zu, 
Lass deine Welt auf Erden; 
Ich bin der Abendstern,und du 
Sollst meine Braut nun werden.  

Ich will dich zum Korallendom 
Jahrhundrtweit entfuhren, 
Und jeder auf dem Meeresstrom 
Soll deinen Wilen spuren." 

"Oh, du bistschon wie nur imtraum 
Ein Engel anzusehen, 
Jedoch den Weg in deinen Raum, 
Den werd ich niemals gehen; 
          
Du bist mir fremd in Wort und Tracht, 
Ich musst mich selbst verlieren, 
Ich bin der Tag, du bist die Nacht, 
Dein Aug lasst mich erfrieren". 
        
So ging ein Tag, so gingen drei, 
Und wieder kommt, wie immer, 
Des Nachts der Abendstern herbei 
Mit seinem hellen Schimmer. 
   
Und wieder an den Abendster 
Denkt sie im Schalf mit Schimerzen, 
Und Sehnsucht nacht der Wellen Herrn 
Ergreift sie tief im Herzen: 
                   
"Steig nieder, du im Abendhauch,  
Mein abendstern, steig nieder, 
Mach hell mein Haus,mein Denken auch, 
Mein Leben immer wieder!" 
  
Wie er im Himmel sie versteht, 
Erlischt er schmerzlich bange, 
Bis sich der Himmel kreisend dreht 
Von seinem Untergange; 

Ein Flammenbild, blutrot, beginnt 
Sich weithin zu entfalten, 
Ein wunderschoner Leib gerinnt 
Bald aus des Chaos Falten. 
    
Auf seinen schwarzen Locken schwer 
Die Krone scheint zu brennen, 
Im Sonnenfeuer schwebt er her, 
Beim Naman sie zu nennen. 
               
Aus schwarzem Tuch enthullen sich, 
Die marmorgleichen Arme, 
Voll Trauer kommt er, nachdenclich 
Und bleich, dass Gott erbarme. 
  
Die Augen, gross,erstaunt und mild 
Von wesemlosem Funkelm, 
Zwei Leidenschaften, ungestilt,  
In ihret Tiefe dunkeln. 
       
"Mit Muh entrann ich meinem Ort, 
An deinen Ruf verloren. 
Mein vater ist die Sonne dort, 
Die Nacht hat mich geboren. 
  
Mein Kleinod, komm undhor mir zu, 
Lass deine Welt auf Erden; 
Ich bin der Abendstern, und du  
Spllst meine Braunt nun werden. 
                
Oh,komm, ich will dein blones Haar 
Mit hellen Sternen kranzen, 
Du solls im Himmel wunderbar 
Als schonster Stern erglanzen." 

"Oh, du bist schon ,wie nur im TRaum 
Ein Damon anzusehen. 
Jedoch den Weg in deinen Raum,     
Den werd ich niemals gehen! 
               
Denn deiner Liebe Grausamkeit 
Verletzt mein armes Herze, 
Die grossen Augen allezeit 
Verbrennen mich im Schmerze"   

"Wie willst du mich, steig ich herab? 
Kannst du denn nicht begreifen: 
Einst sinkst du sterblich in das Grag, 
Ich muss unsterblich schwienfen." 
  
"Gewahlte Worte hab ich nicht, 
Wie soll die Rede gehen, 
Obwohl dein Mund verstandlivh spricht, 
Kann ich dich nicht verstehen. 

Doch willst du, dass ich dir vertrau, 
Steig zu mir auf die Erden, 
Soll ich dich lieben, deine Frau, 
Dann musst du sterblicht werden." 

Und soll ich die Unsterblichkeit 
Dem Kuss zum Opfer geben, 
So wisse du fur alle Zeit: 
Ich lieb dich wie mein Leben. 
              
Wenn mich die Sunde neu gebar, 
Will dein Gesetz ich finden; 
An Ewigkeit gebunden zwar, 
Soll sie mich doch entbinden." 
     
Dann geht er... Und nun ist er fort. 
Au Liebe und Verlangen 
Riss er sich los von seinem Ort,  
Wo er sonst aufgegangen. 
     
Doch Catalin geht aus und ein, 
Ein Page, schlau, gerissen, 
Die Glaser fullt mit gutem Wein 
Den Gasten er beflissen. 

Der Kaiserin vor ihrem Tross 
Darf er die Schleppe tragen, 
Ein Kind, unehlich, erternlos, 
Und kecle Blike wagen; 
               
Hat Wangen, die wie Rosen bluhn, 
Zum Teufel mit dem Jungen, 
Auf Catalina Blickt er kuhn, 
Von ihrem Reiz bezwungen.   

Beim Donnerkeil! Wie schon ist sie! 
Nur keine Zeit verlieren! 
Los, Catalin, jetzt oder nie  
Magst du dein Gluck probieren. 
             
Und sanft, So im Voruberziehn, 
Unfasst er sie in Eile. 
"Was willst du, heda, Catalin? 
Du hast wohl Langeweile!" 

"Du sollst nich immer trauring sein, 
Voll Ernst und nah dem Weinen. 
Sei frohlich, gib im Morgenschein 
Mit einem Kuss, nur einem." 

"Ach,was du fordest, weiss ich kaum, 
Geh fort, lass mir mein Bangen. 
Zum Abendstern im Himmelsraum 
Trag ich ein Todverlangen." 
          
"Und weisst du's nicht, dann will ich fein 
Die Liebe dir beschreden. 
Nur datfst du mir nicht bose sein 
Und musst hubsch arting bleiben. 
  
So wie man Schlingen legt im wald  
Den Vogeln dort,den bangen, 
Leg ich den Arm um dich, und bald 
sollst du mich auch umfangen; 

Und deine Augen sollen noch 
in meine Augen sehen... 
Heb ich dich an den Acseln hoch, 
So 1stell dich auf die Zehen; 
         
Neight sich mein Antlitz deinem dann,  
Sollst du dein Antlitz heben, 
Wir schaun uns unersattlich an 
Solls du mich wiederkussen." 

Ertaunt hort sie den Jungen ,ach, 
Und fuhlt schin sein Begehren, 
Und schamt sich noch und gibt schon nach 
Und will sich doch noch wehren. 
  
Und sagt:"Als kind in treuer Hut 
Konnt ich dich tagligh sehen, 
Du wortgewandter Tunichtgut 
Konnst mir den Kopf verdrehen... 
  
Doch steig herauf ein Abendstern 
Aus des Vergessens Leere 
Und ruckt den Horizont so fern 
Der Einsam-kuhlen Meree. 

Dann senke ich die Wimpern sacht, 
Sie fullen sich mit Tranen, 
Die Wellen zeihn vorbei zur Nacht 
Zu ihm mit meinem Sehnen; 

Und seine Liebe hellt die Flur, 
Dass auch mein Schmerz versreiche. 
Doch immer hoher steigt er nur, 
Dass ich ihn nicht erreiche. 
  
Mit traurin kalten Strahlem blickt 
Er aus der Welt der sterne... 
Ich werd ihn lieben, unbegluckt, 
Und ewig blebt er ferme. 
    
Drum sind mir alle Targe wust 
Wie Steppen, doch das Dunke  
Ist wie von sinem Glanz Durchsusst, 
Udeutbares Gefunkel." 

"Du bist ein Kind, ein Madchen nur, 
Lass in die welt uns rennen, 
Und bald verliert sich unsre Spur, 
Und neimand wird uns kennen, 

Wir Leben dann nach Menschenbrauch, 
Klug, frohlich unterdessen, 
Du wirst die Eltern bald und auch 
Den Abendstern vergessen." 

Der Abendstern brach auf.Er lieh 
Sich Flugel, breit wie fahnen. 
Im Augenblich Durchmassen sie 
Jahrtausendweite  Bahnen. 
  
Sternhimmel wie bestickter Samt, 
Von allen Seiten flirrend- 
Wo er, ein Blitz,voruberflammt, 
Durch alle Fernen irrend. 

Und aus des Chaostalern sah 
Er rings in Breiten Wellen 
Granz wie am estern Tage da  
Empor  die Lichter Quellen; 

Und wie sie quellen um ihn her, 
Unwogen ihn wie Meere... 
Fliegt er, den Sinn von Sehnsuht schwer, 
Bis alles sinkt ins Leere; 

Von keiner Grenze Weiss die Flucht, 
Kein auge kann sie sehen, 
Wo auch die Zeit vergeblich sucht 
Aus Leeren zu enstehen. 
   
Das nichts ist da, ien Leeres Reich, 
Ein Durst, es aufzusagen, 
Ein Abgrund, dem Vergessen gleigh, 
Das blind ist, ohne Augen. 

"Vom Fluch der schwarzen Ewigkeit 
Woll, vater, mich entbindem, 
Gelobt seist du in aller Zeit, 
In welten, die nicht schwieden; 

Oh, fordre von mir jeden Preis, 
Doch gib mir neu ein leben, 
Du bist die Lebensquelle hess, 
Du kannst den Tod auch geben; 
                                     
Nimm mir das Feuer aus dem Preis 
Und lass mich sterblich werden, 
Gib mir nur eine Stunde Gluck 
Und Liebe auf der Erden... 
  
Nimm mir das Feuer aus dem Blick 
Und lass mich sterblich werden, 
Gib mir nur eine Stunde Gluck 
und Liebe auf der Erden... 
  
Einst aus dem Chaos Wunderbar 
Bin ich hervongengangen... 
Zur Ruhe,die micht eist gebar, 
Ruft micht ein Todwerlangen.' 
      
"Aus tiefster Tiefe Drang dein Licht, 
Aus der die Welten kamen, 
Verlage Zeichen, Wunder nicht 
Ohne Gestalt und Namen; 
  
Duhast, lebendig dich zu sehn, 
Das Menschsein dir erkoren?  
Doch mag der Mensch zugrunde gehn, 
Er wurde neu geboren. 
  
Die Menschen dauren, wie im Wind 
Die Illusionen schwellen- 
Aus wellen, die verflossen sind, 
Entstehen neue Wellen; 
  
Ein Glucksstern leuchet ihrem Traum, 
Das Schicksal bringt Verderben. 
Wir haben weder Zeit noch Raum 
Und kennen nicht das Sterben. 
        
Und aus des ew'gen Gestern Schoss 
Lebt, was Zugrund muss gehen, 
Die sonne, die verlscht, wird gross 
Alls Sonne neu erstehen; 
  
Denn alles scheint nur aufzugen, 
Um sich dem Tod zu geben, 
Es lebet, zum sterben ausersehn, 
Es stirbt, um neu zu leben. 
  
Du aber bist und dauerst fort, 
Wo immer  du magst enden... 
So fordre du mein erstes wort- 
Soll ich dir Weisheit spenden? 
       
Willst du, dass himmlischen Gesang 
Ich deinem Mund beschere, 
Dasss Berge folgen denem Grang 
Und inselm aus dem Meere? 

Und willst du Recht und Macht zugleich 
In deinem Tun beweisen? 
Die Erde geb ich dir zum Reich, 
Sollst sie dein eigen heissen. 
    
Ich ged dir schiffe, Mast an Mast, 
Und heere, zu durchjangen 
Das Land, die da kreist, zu sehn 
Dein kunftiges Geschicke." 
                       
Und du willst sterben, sag, fur wen? 
Geh, wende diene Blicke 
Zur Erde, die da kreist, zu sehn 
Dein kunftiges Geschicke."   

Er kerht zurukh an seinen Ort 
In himmelen, die nich enden, 
Um heut wie gesten fort und fort 
Sein licht herabunsnden. 
  
Der Abend leise steigt herein, 
es willnie Nacht beginnen; 
Der mond lasst ruhing seinen Seihen 
Schon ubers Wasser rinnen 
  
Und fullt mit seinen feuer lind 
Dei wege in dem Haine. 
Und unter stolhzen Linden sind 
Zwei Menchen granz alleine: 

"Oh, lass, mein Haupt in deinem Schoss, 
Gelibete, ruhing liegen, 
Grand under deinem Aug so gross 
Und deinen sussen Zugen; 
                     
Mit deiner Augen Zauberschein 
Dring tief in meine Seele, 
In meine Liedenschefen ein,k 
Da ich mich nachlicht qualle. 
            
Und bleibe, Bleibe uber mir, 
Den Scherz mir zu vertreiben, 
Solls meine erste Liebe hier, 
Mein letzer Traum auvh Bleiben.' 
  
Der Abendster sieth tief beweght 
Ihr Antlitz sich erwarmen; 
Er hat den ARm um sie gelegt, 
Sei halt ihm in dem Armen... 

Ein Duft von Sirberbluten gar 
Weht sanft auf sie hernider, 
Der Kindre langes blondes Haar 
Umschmeicheld immer weider. 
  
Sie sieht, von Liebe ganz berauscht, 
Den Abendstern dort stehen, 
Der ihren leisen Wunschen lauscht, 
Den Worten, die ihn flehen; 

"Steig nieder, du im Abendlauch, 
Mein Abendstern, steig nieder, 
Mein hell den Walld,mein Denken auch, 
Mein Gluck mir immer wieder!" 

Wie einst auf Hugeln, Waldern weit, 
Kommt beben er gezogen 
Und fuhrt heran die Einsankeit 
Auf leis bewegtn Wogen; 

Docht sturtz er nicht wie einstmals wild 
Ins Meer, der weite Wandrer: 
"Was macht es dir , du Lehmgebild, 
Ob ich's bin, ob ein anreer? 
   
In eurem Kreise, eng umstellt, 
Mogt ihr das Gluck begreifen, 
Ich aber, hoch in meiner Welt, 
Muss kalt, unsterblich schweifen".  
              
 Translated by : Ghunther Deike    
                                          
 

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Transcribed by Mihai Dan Popia
"Stirbei- Voda" High School Calarasi, Romania
Teacher coordinator: Gratiela Preda
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